Vitrine 9

Ein Haus im Moor – Frühe experimentelle Archäologie

Im heute verlandeten Federseemoor befand sich einst der zweitgrößte See Baden-Württembergs. Hier führte das Urgeschichtliche Forschungsinstitut der Universität Tübingen zwischen 1919 und 1928 Ausgrabungen durch. Die Aufdeckung von über 100 kompletten Hausgrundrissen ermöglichte die detaillierte Begutachtung der Hauskonstruktionen aus der Stein- und Bronzezeit. Selbst Gabelpfähle für tragende Konstruktionen vom Grund abgehobener Hüttenböden konnten untersucht werden. Mit der Plattenkamera aufgenommene Senkrechtbilder hielten die Ausgrabungsbefunde exakt fest. Zeichnerische Rekonstruktionen, maßstäbliche Modelle und die experimentelle Archäologie (dokumentiert in Stummfilmsequenzen) halfen, die ursprüngliche Gestalt und die Bautechnik der Gebäude zu ermitteln. Durch Flächengrabungen ließ sich die Größe der Siedlungen und die Anordnung der Häuser besser erkennen. In Schichtgrabungen zeigten sich die übereinanderliegenden Dorfanlagen. Die Ergebnisse der Untersuchungen regten ganz neue Diskussionen um die Bauweise der Pfahlbauten an: Standen die Häuser im Wasser, an Land oder am Ufer?

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Fotodokumentation auf dem Leitergestell bei der Ausgrabung in Schussenried-Riedschachen. Erkennbar ist ein Hausgrundriss und das Profil des Schichtaufbaus mit den Tragpfählen der Konstruktion.

Foto: H. Reinerth | APM

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Befundzeichnung der Gabelpfähle, auf denen die abgehobenen Bohlenböden lagerten.

Zeichnung: H. Reinerth | APM

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Modell eines Pfahlhauses | M: 1:20 | APM

Ausschnitt aus dem Experimentalfilm: „Lebensbilder der Steinzeitmenschen“, 1920 | Drehort: Wildes Ried, Schussenried | Drehbuch: R. R. Schmidt | CCW Film Archiv, APM

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Pfahlbaumuseum Unteruhldingen Bodensee
Freilichtmuseum und Forschungsinstitut
Strandpromenade 6 · 88690 Uhldingen-Mühlhofen
Text: Pfahlbaumuseum/G. Schöbel
Übersetzung: Pfahlbaumuseum/P. Walter

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