Steinhauerei
Wunderwerk Steinbearbeitung

Die Techniken und Fertigkeiten der Pfahlbauer, aus Stein Werkzeuge herzustellen, sind beeindruckend. Sie waren in der Lage, mit einem Stein einen zweiten zu sägen und auf Sandstein in Form zu schleifen. Mithilfe von Bogen, Holzstab und Sand bohrten sie nach Bedarf Löcher hinein. Mit einem Klebstoff aus destillierter Birkenrinde, sogenanntem Birkenteer, befestigten sie Steinklingen an Griffen, Schäften oder Holmen. Die so entstandenen Hämmer, Äxte und Beile sind modernen Werkzeugen in Wirkung und Haltbarkeit ebenbürtig. Kleinere Werkzeuge wie Messer, Bohrer, Schaber oder Pfeilspitzen entstanden aus in Form geschlagenen Feuersteinen. Ein erfahrener Steinhauer schlug innerhalb kurzer Zeit aus einer Feuersteinknolle zahlreiche Geräte mit messerscharfen Kanten und Spitzen (A1-A3). Er benötigte dazu lediglich einen Druckstab aus Hirschhorn (A3).

Voraussetzung für gute Werkzeuge waren bestimmte Steinsorten, die entsprechend begehrt waren. Kein Wunder, dass sich ein Handelsnetz über weite Entfernungen spannte. Feuersteine kamen aus Belgien und Italien. Bernstein gelangte von der Ostsee an den Bodensee und galt als wertvoller Schmuck. Glänzender Pyrit oder Markasit (B1), auch Katzengold genannt, war ein wichtiger Bestandteil des steinzeitlichen Feuerzeugs – mit Feuerstein (B2) angeschlagen, platzen heiße Funken ab, mit denen Zunder oder Grassamen zum Glühen gebracht und eine Flamme erzeugt werden kann (B3).

Haustyp:
Zweiräumiges steinzeitliches Pfahlbauhaus (ca. 3500 v. Chr.), Wände aus geflochtenen,
mit Lehm verputzten Zweigen.

Rekonstruiert:
1940, auf Basis von Ausgrabungen in Riedschachen 1 im Federseemoor, Aichbühl bei Bad Schussenried und Sipplingen, 1923–1930.

Das Taschenmesser der Steinzeit

Ein Feuerstein, etwas Rinde einer Pappel und Birkenteer – mehr brauchst du nicht für dein Steinzeittaschenmesser. Es liegt gut in der Hand und die Verletzungsgefahr ist gering. Ein bisschen Vorsicht kann trotzdem nicht schaden. Das kleine Feuersteinmesser ist nämlich ganz schön scharf. Du kannst damit Gräser und Schnüre abschneiden, Fleisch zerteilen oder dünne Äste absägen. Auch beim Ernten von Getreide ist es eine Hilfe: Die Ähren lassen sich damit ganz leicht vom Halm abtrennen. Und wenn du es gerade nicht brauchst, knotest du das Taschenmesser mit einer Lederschnur einfach an deinem Gürtel fest.

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Pfahlbaumuseum Unteruhldingen Bodensee
Freilichtmuseum und Forschungsinstitut
Strandpromenade 6 · 88690 Uhldingen-Mühlhofen
Text: Pfahlbaumuseum/G. Schöbel
Übersetzung: Pfahlbaumuseum/P. Walter

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