Vitrine Pfahlbau

Pfahlbau – Sicher und aussichtsreich

Holz, Lehm und Gras – das sind die Stoffe, die es für ein Pfahlbauhaus braucht. Das tragende Gerüst, der Boden, die Wände, die Feuerstelle und das Dach bestehen aus diesen drei Materialien. Bäume liefern den Rohstoff für Pfähle, Pfahlschuhe und Bodenbeläge, für die Wandkonstruktionen, Bindeseile und Schindeln. Auch die Werkzeuge – Spaten, Beile und Keile – sind aus Holz. Der Lehm dichtet nicht nur den Fußboden ab, sondern auch die Hauswand.

Feuerstellen und Backofen sind aus Lehm gebaut. Baumrinde dient der Isolation. Schilfgras oder Holzschindeln bilden das Dach. Fasern, Zweige und Schnüre halten die ganze Konstruktion zusammen. Ein Pfahlbauhaus ist vollständig kompostierbar. Es liegt verkehrsgünstig und bietet einen einmaligen Blick über das Wasser. Die Dorfpalisaden schützen es vor Wellenschlag, Sturm und ungebetenen Gästen.

A1

Seilfragmente | Lindenbast | 3900, 3800 und 3000 v. Chr. | Horn-Hornstaad Hörnle, Wallhausen-Ziegelhütte, Sipplingen-Osthafen | ALM

Gut verschnürt ist halb gebaut
Ein Pfahlbauhaus wurde ganz ohne Nägel gebaut – die Bauteile wurden mit Schüren verbunden und mit Knoten gesichert. Schnurknäuel, Seile und einfache gedrehte Schnüre wurden meist aus Lindenbast hergestellt, der aus der Baumrinde gelöst wurde. Flachs- oder Brennnesselfasern dienten zur Herstellung von feineren Schnüren.

A2

Schnurknäuel | 3000 v. Chr. | Schweiz | REM

B1

Wandstücke | Hüttenlehm, bemalt | 3850 v. Chr. | Ludwigshafen-Seehalde | Slg. Fiebelmann

Bemalte Wandreste
Die Lehmwände der Steinzeithäuser waren manchmal mit Symbolen und Mustern in schwarzer, weißer oder roter Farbe verziert, deren Bedeutung noch immer Rätsel aufgibt. Die bislang ältesten Reste figürlicher Wandmalereien in Mitteleuropa (3860 v. Chr.) kamen in den Pfahlbausiedlungen von Sipplingen und Ludwigshafen zutage: Plastische aus Lehm geformte weibliche Brüste, umgeben von weißen Punkten und Linien, ergeben das Bild stilisierter Frauenfiguren. Dazwischen finden sich baumartige Symbole, die als Lebens- oder Ahnenbäume interpretiert werden. Diese Wandzeichnungen werden als Innenausmalung von Kulthäusern gedeutet. Ihnen wird eine mythische Funktion innerhalb der Erinnerungskultur dieser frühen Gemeinschaften zugeschrieben.

Rekonstruktion: M. Erne nach Vorgaben H. Schlichtherle und M. Fischer | LAD

B2

Modellierte Brüste | Hüttenlehm | 3700 und 2900 v. Chr. | Reute-Schorrenried, Bodman-Weiler | ALM

B3

Wandstück | Hüttenlehm, Holzstangenrest | 3000 v. Chr. | Sipplingen-Osthafen | APM

C1

Pfahlschuh mit Pfahlrest | Eichenholz | 900 v. Chr. Unteruhldingen-Stollenwiesen | APM

Pfahlschuhe
Um das Einsinken der Pfähle im weichen Seegrund zu verhindern, gab es mehrere Methoden:

  1. Das Einzapfen des Pfahls in Pfahlschuhe
  2. Verstrebungen der Hauspfosten untereinander
  3. Die Verteilung des Gewichtes auf viele Pfähle
  4. Die Verwendung sehr langer Pfähle, die bis auf festen Grund reichen
  5. Das Anbringen von kreuzförmig angeordneten Stangen
  6. Der Einsatz von Lochstreben

Rekonstruktion: M. Erne nach Vorgaben H. Schlichtherle und M. Fischer | LAD

C2

Bauelement mit Zapfloch | Esche | 3900 v. Chr. | Degersee | ALM

C3

Spaltkeile | Buchenholz | 2900 v. Chr. | Bad Schussenried-Olzreute-Enzisholz | ALM

Nützliches Werkzeug

Zum Spalten von Baumstämmen, der Herstellung von Brettern aber auch zur Zerkleinerung von Brennholz dienten einfache Holzkeile.
Illustration: G. Embleton | APM

C4

Meißel | Felsgestein, Geweih, Knochen | 3600 und 3000 v. Chr. | Unteruhldingen Bayenwiesen, Sipplingen-Osthafen | APM

D1

Beil | Felsgestein, Eschenholz | 3800 v. Chr. | Unteruhldingen-Stollenwiesen | APM

D2

Fragment einer Hacke | Hirschhorn | 3600 v. Chr. | Unteruhldingen-Stollenwiesen | APM

D3

Fragment eines Stangenholms mit Klemmschäftung | Eichenholz | 3000 v. Chr. | Nußdorf-Strandbad | ALM

D4

Beilklinge | Felsgestein | 3000 v. Chr. | Unteruhldingen-Bayenwiesen | APM

D5

Beilklinge | Bronze | 900 v. Chr. | Unteruhldingen-Stollenwiesen | APM

D6

Fragment eines kleinen Beilholms mit Knochenklinge und Spielzeugeinbaum Haselnussholz und Erle | 3800 und 3000 v. Chr. Wangen-Hinterhorn, Unteruhldingen-Bayenwiesen | APM, FAU UFG

Spielzeug? Von wegen!
Pfeilbögen, Tierfiguren, Tassen, Einbäume und Beile: In der Stein- und Bronzezeit gab es viele Gegenstände im Miniaturformat extra für Kinderhände. Damit spielten die Kinder aber nicht nur, sie halfen auch bei der Hausarbeit – zum Beispiel beim Brennholz machen mit einem Kinderbeil.

Illustration: G. Embleton | APM

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Pfahlbaumuseum Unteruhldingen Bodensee
Freilichtmuseum und Forschungsinstitut
Strandpromenade 6 · 88690 Uhldingen-Mühlhofen
Text: Pfahlbaumuseum/G. Schöbel
Übersetzung: Pfahlbaumuseum/P. Walter

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