Vitrine 1
Die Rätsel der Pfahlbauer – Gab es Pfahlbauten wirklich?
Ein freies Leben im Einklang mit der Natur in Häusern auf dem Wasser – diese Vorstellung beflügelt die Fantasie der Menschen seit mehr als 2000 Jahren. Der antike Geschichtsschreiber Herodot (ca. 490 – 425 v. Chr.) berichtete von Siedlungen auf Pfählen an einem See in Thrakien. Bald folgten Schilderungen von Behausungen dieser Art aus Afrika und Südamerika. Forschungsreisende des 19. Jahrhunderts bestätigten die Existenz von Pfahlbausiedlungen in Südostasien. Dann plötzlich: In den Seen der Schweiz und am Bodensee werden die hölzernen Reste von Pfählen entdeckt.
Das war um das Jahr 1850. Konnten diese Funde von alten Hafenanlagen oder Siedlungen aus der Frühzeit stammen? Eine lebhafte Diskussion begann. Wenn die Vermutung zutraf – wer hatte diese Anlagen errichtet? Und wann? Wie wurden die Pfähle in den Grund des Sees gebracht? Und welche Art Gemeinschaft könnte hier gelebt haben? Erste Hinweise gaben die zwischen den Pfahlresten gefundenen Steinwerkzeuge. Sie deuteten auf ein hohes Alter hin, auf eine Entstehungszeit vor Christus. Pflegten die Pfahlbaumenschen Kontakt zu Griechen, Phöniziern und Römern? Oder lebten sie noch viel früher?
Am Anfang standen die Fragen zum Hausbau und der Lebensweise. Ausgrabungen und weitere Funde brachten die Gewissheit: Ja, es gab Pfahlbauten an den Ufern der Seen in Europa. Sie existierten schon vor der Erfindung der Schrift, in der Stein- und Bronzezeit. Doch auch wenn die Forschung inzwischen viele Fragen beantworten konnte – mindestens ebenso viele sind noch offen: Woher kamen die Pfahlbaumenschen und wohin gingen sie? Warum sind sie weitergezogen und wo haben sie ihre Toten bestattet? Wie stellten sie sich das Jenseits vor und mit welchen anderen Gemeinschaften standen sie in Kontakt?
1
Pfahlbauten im Nebel
Foto: H. Spiering | APM