Weberei
Vom Faden zum Stoff

Organisches Material, wie Leder oder Pflanzenfasern, ist archäologisch selten nachzuweisen. Es sei denn, es hat die Zeit unter völligem Ausschluss von Sauerstoff überdauert. Glücklicherweise bieten die Pfahlbaudörfer diese besondere Situation. Am Grund des Sees konnten bereits einige Reste von Kleidungsstücken geborgen werden. Diese bestehen nicht nur aus Leder und Fell. Im Gegenteil: Kleidung aus Schafwolle muss selten gewesen sein. Ein Großteil der Kleidung bestand aus gewebtem Leintuch und Brennnesselstoff. Oder Flechtwerk aus Baumbast.

Bevor die innere Rinde eines Baums, meist der Bast einer Linde, weiterverarbeitet werden konnte, musste sie zuerst in Gruben gerottet und zerfasert werden. Die Fasern wurden zu Matten geflochten und später zu einem Mantel oder einer vor Sonne und Regen schützenden Kappe geschneidert. Auch Röcke und Schuhe bestanden oft aus Bast oder Gräsern.

Ebenso die Stängel des Leins: Nach dem Rotten wurden sie getrocknet, gebrochen, geklopft und ausgekämmt. Das so entstandene Rohleinen, das Werg, wurde mit einer Handspindel gesponnen und aufgewickelt. In Suden aus Baumrinden, Wurzeln, Blättern und Blüten eingelegt, erhielten die Fäden bunte Farben.

Sowohl kleine Webrahmen als auch große Gewichtswebstühle standen in fast jedem Haus – und selten still: Hier wuchsen aus den endlosen Fäden lange Stoffbahnen, aus denen die Pfahlbaumenschen mit feinen Knochennadeln ihre Kleidung nähten.

Haustyp:
Zweiräumiges steinzeitliches Pfahlbauhaus (ca. 3500 v. Chr.), Wände aus geflochtenen,
mit Lehm verputzten Zweigen.

Rekonstruiert:
1939, auf Basis von Ausgrabungen in Riedschachen 1 im Federseemoor, Aichbühl bei Bad Schussenried und Sipplingen, 1923–1930.

Selbst genähte Kleider

Garn und Schnur herstellen kann jedes Kind. Glaubst du nicht? Bestimmt hast du schon einmal einen Faden gezwirnt oder einen Zopf geflochten. Dann hast du den ersten Schritt schon getan. Der nächste erfolgt an einem Webstuhl. Hier werden jede Menge Fäden aufgehängt und mit Gewichten beschwert. So bleiben sie in Position. Dann wird ein extra langer Faden mit einem Holzstück, dem Schiffchen, quer zwischen den herunterhängenden Fäden hindurchgezogen. Immer hin und her. Zentimeter für Zentimeter entsteht so eine schöne lange Stoffbahn.

Findest du das kleine Webschwert, mit dem der Querfaden festgeklopft wird?

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Pfahlbaumuseum Unteruhldingen Bodensee
Freilichtmuseum und Forschungsinstitut
Strandpromenade 6 · 88690 Uhldingen-Mühlhofen
Text: Pfahlbaumuseum/G. Schöbel
Übersetzung: Pfahlbaumuseum/P. Walter

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