Vitrine 10

Ein Museum im See – Die Pfahlbauten in Unteruhldingen

Die Idee hatte Landrat Hermann Levinger: Vor seinem geistigen Auge sah er ein Freilichtmuseum mit originalgetreuen Rekonstruktionen auf dem Stand der Forschung. Ausführung und Expertise lagen bei dem Unteruhldinger Bürgermeister und Pfahlbauforscher Georg Sulger. Victor Mezger, Präsident des Bodenseegeschichtsvereins, und der Ingenieur Paul Fritz unterstützten das Unternehmen. Prof. Robert Rudolf Schmidt von der Universität Tübingen und sein Assistent Hans Reinerth lieferten dazu die Baupläne, die sie nach den Befunden ihrer Ausgrabungen in Schussenried erstellt hatten. Der Aufbau der ersten beiden Häuser erforderte 250 000 Reichsmark. Die Finanzierung war ein frühes Beispiel für Crowdfunding – wer mochte, konnte mit der Zeichnung von Anteilscheinen den Bau des Museums finanziell unterstützen. 1922 wurde ein Museumsverein gegründet. 100 wechselvolle Jahre folgten, in denen viele Krisen gemeistert wurden: wirtschaftliche Notsituationen, politische Umwälzungen, Kriegsereignisse, Naturkatastrophen. Zum Jubiläum 2022 hatten 15,9 Millionen Menschen die Pfahlbauten besucht.

1922
Einladung zur Gründungsversammlung des Vereins für Pfahlbau- und Heimatkunde e.V. in Unteruhldingen am 12. März 1922. 68 Gründungsmitglieder. Erster Vorsitzender: Georg Sulger.
Foto: APM

1922
Aufbau der ersten beiden Pfahlbauhäuser nach Plänen des Urgeschichtlichen Forschungsinstituts Tübingen durch den Pfahlbauverein.
Foto: APM

1922
Inneneinrichtung des steinzeitlichen Wohnhauses nach Vorbild der Ausgrabungen in Schussenried.
Foto: APM

1925
Das „Pfahlbaustrandbad“ auf dem Gelände des Pfahlbaumuseums mit Frauenhaus und Männerhaus und direktem Seezugang.
Foto: APM

1926
Standbild aus dem Stummfilm der Ufa „Natur und Liebe, Schöpferin Natur“, Drehort Unteruhldingen, Erstaufführung 1927, Berlin.
Foto: Ufa, Verlag Ross, APM

1931
Das bronzezeitliche Dorf Buchau (Bildmitte) ergänzt die Steinzeithäuser Riedschachen (links) und das Pfahlbaustrandbad (rechts).
Foto: APM

1931
Inneneinrichtung des Bronzezeitdorfes Buchau, Feuerstelle im Herrenhaus.
Foto: APM

1934
Neu eingerichteter Museumsraum mit den Originalfunden der Privatsammlung Georg Sulger und den Ausgrabungsfunden Sipplingen 1929/30.
Foto: APM

1935
Zwischen 1932 und 1937 versuchen konkurrierende NS-Größen das populäre Museum in „ihre Obhut“ zu nehmen. Unter ihnen Reichsleiter Bormann, Minister Darré, Reichsführer SS Himmler, Minister Frick, Reichsleiter Rosenberg. Das Museum wird im Januar 1938 als eines der letzten in Deutschland durch die Übergabe an den Reichsbund für Deutsche Vorgeschichte (Amt Rosenberg) gleichgeschaltet.
Foto: S. Lauterwasser, APM

1938
Werkstatt des Reichsbundes für Deutsche Vorgeschichte zur Ausstattung von Schulen und Museen mit Modellen und Nachbildungen im Gemeindetorkel Unteruhldingen.
Foto: APM

1938
Erinnerungsfoto Pfahlbauten Unteruhldingen.
Foto: J. Udry, APM

1938/40
Nach der Übernahme und Gleichschaltung des Museumsvereins und dem Abriss des Strandbades entsteht das neue Dorf nach den Ausgrabungen des Bodensee-Geschichtvereins und Hans Reinerths 1929/30 in Sipplingen.
Foto: APM

1945
Besetzung und Bewohnung des Museums durch marokkanische Soldaten der französischen Armee. Wiedereröffnung im Juni 1945 nach Genehmigung durch die französischen Militärbehörden.
Foto: APM

1949
Nach der Wiedergründung des Pfahlbauvereins hält der „New Look“ der Bronzezeit Einzug in das Freilichtmuseum.
Foto: Slg. G. Schneider | APM

1954
Aus Anlass des Jubiläums „100 Jahre Pfahlbauten“ erhält das Museum ein Forschungsinstitut zur Betreuung der Sammlung und Ausgrabungen für Vor- und Frühgeschichte.
Foto: APM

1963
An Bodensee und Federsee aber auch in der Schweiz und in Österreich finden Sondagen und Fundstellenbeobachtungen durch das Forschungsinstitut statt.
Foto: APM

1976
Ostersamstag: Ein Brand zerstört das bronzezeitliche Pfahlbaudorf. Die Wiedereröffnung nach Restaurierung erfolgt 1977.
Foto: APM

1980
1980er Jahre: Die Pfahlbauten werden etwa je zur Hälfte von Schulklassen und Touristen besucht. Sie etablieren sich als beliebtes Ausflugsziel am Bodensee.
Foto: APM

1992
Im Rahmen einer Neukonzeption des Museums entstehen Schülerprojekte mit praktisch orientierten Unterrichtseinheiten. Das Museum wird Lernort für die Steinzeit im Oberschulamtsbezirk Tübingen.
Foto: G. Schöbel, APM

1993
Die Anpflanzung eines stein- und bronzezeitlichen Versuchsgartens auf dem Museumsgelände unterstützt die Vermittlung der Umweltgeschichte.
Foto: G. Schöbel, APM

1996
Ein neues, zeitgemäßes Museumsgebäude für die historischen Sammlungen, ein Taucheraquarium und die Dauerausstellungen entstehen. Die Einweihung erfolgt durch den Bundespräsidenten Roman Herzog.
Foto: G. Schöbel, APM

1996
Zusammen mit der „Sendung mit der Maus“ entsteht ein Nachbau des jungsteinzeitlichen Pfahlbauhauses nach Ausgrabungen in Hornstaad mit Originalwerkzeugen. Auch eine Bewohnung durch den Steinzeitmann „Uhldi“ findet statt.
Foto: G. Schöbel, APM

1998
Ein Pfahlbauhaus nach dem Vorbild der Befunde aus Arbon (Schweiz) wird mit Hilfe der Experimentalarchäologie neben dem Hornstaadhaus errichtet.
Foto: G. Schöbel, APM

1999
Das Jahrhunderthochwasser am Bodensee bedroht mit 5,65 m über dem Pegel Konstanz, das Freilichtmuseum. Häuser werden überschwemmt. Als Folge werden alle Böden und Stege um 20 cm erhöht.
Foto: G. Schöbel, APM

2002
Eröffnung der neuen bronzezeitlichen Baugruppe nach Vorbild der spätbronzezeitlichen Siedlung Unteruhldingen-Stollenwiesen.
Foto: F. Müller, APM

2007
Nach der wissenschaftlichen Betreuung der Fernsehdokumentation „Steinzeit – Das Experiment“ (2006) erfolgt der Aufbau des SWR-Filmdorfes für Schülerprojekte im Museum.
Foto: G. Schöbel, APM

2009
Im Jahrzehnt der europäischen Projekte entstehen nacheinander in Unteruhldingen das neue Bronzezeitdorf, das Haus der Fragen, ein Zeitweg durch den Ort. Vorführungen zur Experimentellen Archäologie finden regelmäßig statt.
Foto: F. Schulz-Friese, APM

2009
Eröffnung des Steinzeit-Parcours für Familien. Das Schülerprojekt „Ein Tag in der Steinzeit“ wird erstmals angeboten.
Foto: F. Müller, APM

2011
Die prähistorischen Pfahlbauten im Alpenvorland werden zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt, darunter auch das bronzezeitliche Pfahlfeld von Unteruhldingen – Stollenwiesen.
Foto: M. Schellinger, APM

2012 Die Ausstellung „Das Erbe der Pfahlbauer“ wird eröffnet

2013
Die Multimediashow ARCHAEORAMA im Museum wird eröffnet und ermöglicht einen virtuellen Gang durch das unter Wasser liegende Weltkulturerbe.
Foto: G. Schöbel, APM

2014
ARCHAEOLAB, ein Schülerprojekt zu archäologischen Methoden in der Dorfhalle des Steinzeitdorfes wird eingerichtet.
Foto: G. Schöbel, APM

2020
Unter den Auflagen der Corona Pandemie erfolgt eine Verlagerung der Vermittlungseinheiten nach Außen. Im Steinzeitparcours entstehen Freilichtausstellungen unter dem Thema „Ernährung in der Steinzeit“ und „Haus am See“.
Foto: G. Schöbel, APM

2021
Eröffnung des „Grünen Klassenzimmers“ im Steinzeitparcours.
Foto: G. Schöbel, APM

2024
Eröffnung des Erweiterungsbaus für ein neue Ausstellung mit Besucherzentrum nach den Entwüfen eines Architektenwettbewerbs.
Rendering: a+r Architekten, Stuttgart
Szenografie innen: Jangled Nerves, Stuttgart

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Pfahlbaumuseum Unteruhldingen Bodensee
Freilichtmuseum und Forschungsinstitut
Strandpromenade 6 · 88690 Uhldingen-Mühlhofen
Text: Pfahlbaumuseum/G. Schöbel
Übersetzung: Pfahlbaumuseum/P. Walter

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