Vitrine 3

Ein mystisches Feld – Die Entdeckung

Johannes Äppli, Volksschullehrer und Heimatforscher, mag sich die Augen gerieben haben, als im Winter 1853/54 in Obermeilen am Zürichsee seltsame Dinge auftauchten. Der Wasserstand war historisch tief, Aushubarbeiten in einer schwarzen Schicht brachten Knochen, Scherben, geschliffene Steine und Hunderte morsche, im Boden steckende Holzpfähle ans Licht. Äppli meldete diese „Alterthümer“ umgehend der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich.

Deren Präsident Ferdinand Keller erkannte in ihnen vor Urzeiten geformte Werkzeuge. Er hatte ähnliche Steinbeile schon einmal gesehen und beschrieben, am Bielersee. In den ersten Zeitungsartikeln der lokalen Zürcher Zeitung und im ersten Pfahlbaubericht der Gesellschaft war kurz darauf zu lesen: Man habe „in dem vom Wasser verlassenen Seebette Überbleibsel menschlicher Thätigkeit aufgehoben, die geeignet seien, über den frühesten Zustand der Bewohner unserer Gegend unerwartetes Licht zu verbreiten.“ (Keller 1854)

Schon der antike Geschichtsschreiber Herodot hatte die Pfahlbauten im See Prasias in Thrakien bildhaft beschrieben. Ein Reisebericht des Seefahrers Dumont d’Urville zu Häusern auf Pfählen in der Bucht von Doreh (Neuguinea) vermittelte eine Vorstellung von der Konstruktion der Häuser im See. Diese Schilderungen regten die Fantasie aller Geschichtsbegeisterten an. In den wöchentlich erscheinenden Illustrierten und in den bürgerlichen Salons war die Entdeckung der prähistorischen Wassersiedlungen das Topthema. Schaulustige versammelten sich an den Ausgrabungsorten. Das Suchen nach Artefakten an den Ufern wurde zum Volkssport. Die Geschichte der Menschheit begann nicht mehr mit der Bibel oder im antiken Rom, sondern plötzlich vor der eigenen Haustür und für alle sichtbar: im See. Das „Pfahlbaufieber“ brach aus.

Dumont D’URVILLE, Seefahrer, 1833
„Jedes Dorf besteht aus 8 bis 15 Häusern, errichtet auf Pfählen.“

Herodot, Geschichtsschreiber, um 450 v. Chr.
„Diejenigen Päonier, welche auf dem See Prasias in Makedonien auf Pfahlbauten leben, rammen bei der ersten Anlage auf Kosten der Gemeinde Pfähle in den Grund und befestigen die darüber gelegten Dielen aneinander. Eine einzige schmale Brücke führt vom Ufer her auf das Gerüst … … Die kleinen Kinder werden mit einem Seil am Fuß festgebunden, damit sie nicht hineinfallen.“

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Obermeilen (Schweiz), Plan der Ausgrabungen 1829‒1854, Profil der Kulturschicht, Anordnung der Pfähle, Rekonstruktionszeichnung

2

Abschläge | Feuerstein | 8000-3000 v. Chr.  Unteruhldingen | Maurach | Fischbach | APM

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Das Dorf Kouaoui im Hafen von Dorey, Neuguinea

Aus dem Reisebericht der Corvette l’Astrolabe, ausgeführt im Auftrag des französischen Königs in den Jahren 1826, 1827, 1828, 1829, unter dem Kommando von M. J. Dumont d’Urville, Lithographie: J.B. Arnout | National Library of Australia

4

Rekonstruktion der Bodenseepfahlbauten von Nussdorf und Maurach am Überlinger See mit Funden der Sammlung Xaver Ullersberger aus Überlingen.

Illustration: F. Faller | APM

5

Detailvergrößerung aus Bild 4: Kind mit angebundenem Fuß

6

Herodotus, Historien, Band 5, Langenscheidtsche Bibliothek, Berlin und Stuttgart

33. Band, Herodot II, S. 20, 1906 | APM

7

Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft Zürich, 1. bis 8. Bericht, 1856-1879 | APM

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Pfahlbaumuseum Unteruhldingen Bodensee
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Strandpromenade 6 · 88690 Uhldingen-Mühlhofen
Text: Pfahlbaumuseum/G. Schöbel
Übersetzung: Pfahlbaumuseum/P. Walter

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