Unteruhldingen in der Bronzezeit
Die Siedlungskammer
Eine Dorfanlage bestand nicht nur aus mehreren beieinanderstehenden Pfahlbauhäusern. Zur eigentlichen Siedlung gehörte das angrenzende Gebiet in einem Radius von etwa 2,5 Kilometern. Die Größe dieser sogenannten Siedlungskammer kann aus den Entfernungen der einzelnen Dorfanlagen am Bodensee geschlossen werden. Der Organisation dieses Gebiets lag ein gut durchdachter Plan zugrunde. Entscheidendes Kriterium zur Wahl des Ortes waren die bestmöglichen Voraussetzungen für ein gutes Leben, begonnen bei der Qualität der Ackerböden für den Anbau der Kulturpflanzen in einer frühen Dreifelderwirtschaft mit Kurzzeitbrache. Angrenzende Flächen wurden zur Weidewirtschaft genutzt. In den Randzonen lagen die Nutzwälder zum Schlagen von Brennholz und Baumaterial für den Hausbau, zum Sammeln von Früchten, für die Jagd und die Waldweide. Die Uferzone des Sees war den Landestellen, dem Handel und den Pfahlbauten vorbehalten.
Nach etwa 15 bis 20 Jahren waren die Ackerböden ausgelaugt – trotz Düngung durch das Vieh und umsichtiger Bewirtschaftung. Auch der Wald war nach mehreren Rodungszyklen entkräftet. Lücken in den Belegungen der Dörfer, aber auch alternierende Daten benachbarter Siedlungen, deuten darauf hin, dass die Pfahlbaumenschen für die Lösung dieses Problems zwei Möglichkeiten hatten und nutzten: Entweder sie teilten die Siedlung und eine Gruppe zog weiter, oder die gesamte Dorfgemeinschaft suchte sich eine neue Siedlungskammer.
Für Uhldingen lässt die Datenlage vermuten, dass die Siedlungen abwechselnd links und rechts der Seefelder Aach angelegt wurden. In der Schweiz dagegen liegen zeitlich aufeinanderfolgende Siedlungen oft in nur geringem Abstand voneinander.