Vitrine Taucharchäologie

Anfänge der Taucharchäologie am Bodensee

Der Traum von der Unterwasserarchäologie ist alt. Die ersten Versuche wurden mit Holzfässern, Lederanzügen und Eimerhelmen aus Zinkblech unternommen. Mit mäßigem Erfolg. Dann entwickelten die Tauchpioniere Hans Hass und Jacques Cousteau um 1940 die Aqualunge – ursprünglich für die Marine. Dieses neue Tauchgerät ermöglicht nicht nur das unabhängige Atmen unter Wasser, es lässt den Tauchenden auch nahezu völlige Bewegungsfreiheit.

Der Zeitpunkt für die Gründung einer Unterwasser-Forschungsgruppe am Bodensee war 1952 gekommen. Zwei Jahre später begann die fotografische Dokumentation der Pfahlbauten in Unteruhldingen mit einer Kamera in wasserdichtem Gehäuse. Das prähistorische Pfahlfeld konnte erstmals eingemessen und unter Wasser auf Plastiktafeln verzeichnet werden.

Eintauchen in die Unterwasserwelt

Dieser Tauchanzug wurde in den 1950er Jahren speziell für den Einsatz in Unteruhldingen entwickelt. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Dichtigkeit der Manschetten und die Bewegungsfreiheit des Tauchers gelegt. Ein Nachfolgemodell wurde 1967 als Ganzkörperanzug aus Gummi weltweit und 1976 in Meersburg/Deutschland unter der Nummer DE1976113U zum Patent angemeldet.

Textil-Gummianzug für Tauchzwecke | Marke Eberhard Graf | Biberach | 1954 | mit Flossen, Maske, Schnorchel und Unterwasser-Kamera | APM

Im Pfahlfeld

Ein Taucharchäologe dokumentiert im Wasser schwebend das Pfahlfeld von Unteruhldingen-Stollenwiesen. Dabei markiert er jeden einzelnen Pfahl mit einem Schild und fertigt eine Zeichnung an. Anschließend entnimmt er Holzproben zur Datierung. So kann die Entstehung des Dorfes Haus für Haus ermittelt werden.

Seit 1981 gibt es eine Taucharchäologie der Denkmalpflege am Bodensee. In aufwändigen Verfahren werden heute die Sedimentschichten unter Wasser freigelegt, Funde und Holzreste aufgenommen und geborgen.

Foto: Submaris im Auftrag LAD

Blick in das Geschichtsbuch der Pfahlbauten

Seine Seiten bestehen aus geschichtetem Schlamm und sind beschrieben mit wertvollen Objekten. Unter Sauerstoffabschluss haben sich dort unten einzigartige Informationen erhalten.

Erkennen Sie die einzelnen Schichten? An ihnen sind verschiedene Zeitabschnitte abzulesen. Die dunklen Schichten belegen die Anwesenheit von Menschen. Sie hinterließen Holzkohle von ihren Feuerstellen. Die hellen Schichten entstanden zu den Zeiten, in denen der See von Menschen ungestört weißen, kalkhaltigen Schlamm und graue Sande ablagerte. Von unten nach oben lässt sich so die Geschichte an jedem Ort genau verfolgen.

Lackprofil | Wallhausen-Ziegelhütte | 3800 v. Chr. | ALM

  1. Seekreide
  2. Kulturschicht mit organischem Material
  3. Seekreide

Im Labor

Das Alter der Schichten wird im Labor bestimmt. Darin enthaltene Reste von Holz, Holzkohle oder Knochen lassen sich mit verschiedenen Methoden datieren. Manchmal helfen dabei auch besondere, bereits bekannte Funde. Knochen erlauben Rückschlüsse zur Tierwelt und den Menschen. Klima und Umwelt geben sich nach der Untersuchung von Pflanzenresten unter dem Mikroskop zu erkennen. Diese Untersuchungsergebnisse sind Grundlage für die Rekonstruktion der Dörfer.

Foto: Rasterelektronenmikroskop | stockadobe

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Pfahlbaumuseum Unteruhldingen Bodensee
Freilichtmuseum und Forschungsinstitut
Strandpromenade 6 · 88690 Uhldingen-Mühlhofen
Text: Pfahlbaumuseum/G. Schöbel
Übersetzung: Pfahlbaumuseum/P. Walter

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