Vitrine 11
Der große Streit – Wozu die Aufregung?
Mehr als 150 Jahre lang polarisierte er die Wissenschaft: Der Streit um die Konstruktion der Pfahlbauten lässt sich bis in das Jahr 1854 zurückverfolgen. Und er wurde bisweilen sehr emotional, teilweise auch unter nationalen und politischen Vorzeichen geführt. Standen die Häuser auf Pfählen im Wasser, oder über von Menschen zusammengetragenen Steinbergen im Uferbereich? Waren die Pfähle eher kurz und so dicht am Ufer verbaut, dass sich die Häuser im Winter auf dem Trockenen, und nur während der Sommermonate im Wasser befanden? Oder lag die Siedlung ganzjährig an Land? Mittlerweile haben europaweite Ausgrabungen seit den 1980er Jahren gezeigt, dass Pfahlbauten je nach Region im Wasser, am Ufer und an Land gebaut wurden.
1854 | Ferdinand Keller:
„Die Pfahlbauten waren Siedlungen auf einer gemeinsamen Plattform im offenen Wasser.“
1921 | Hans Reinerth
„Die Pfahlbauten wurden am Ufer errichtet und nur bei Hochwasser vom See erreicht.“
1942 | Oscar Paret:
„Die Idee von Pfahlbauten in Mitteleuropa ist ein romantischer Irrtum. Die Häuser waren ebenerdig am Ufer errichtet worden.“
1980 | Helmut Schlichtherle:
„Es gab sowohl ebenerdige Pfahlsiedlungen als auch Siedlungen am Ufer und auf Inseln.“
2006 | Niels Bleicher:
„Es gab Pfahlbauten, bis zu 5 Meter abgehoben über dem Seeboden.“
1
Der Pfahlbaustreit in der Presse | Archiv APM
„Seedörfer“ auf dem Trockenen – Pfahlbauten, die keine waren | Bodenseerundschau,
22.10.1942
Bodensee-Pfahlbauten ein Irrtum? | Südkurier, 9.6.1946
Ein romantischer Irrtum? | Stuttgarter Nachrichten, 24.05.1951
Rekonstruierte „Fehlkonstruktion“ | Frankfurter Abendpost, 27.5.1952
Irrlehre mit Profit | Die Zeit, 1976
Gab es sie doch, die Pfahlbaubewohner? | FAZ, 29.12.1980
Beweis für Pfahlbauten gefunden | Südkurier, 21.11.1980
Pfahlbauten am Bodensee sind Weltkulturerbe | Welt, 27.06.2011
2
Ferdinand Keller, 1854
Foto: wikimedia, Die Geschichte des Kantons Zürich Band I, Werd Verlag, Zürich 1995
3
Hans Reinerth, 1921
Foto: APM
4
Oscar Paret, 1942
Foto: H. Dürr | APM
5
Helmut Schlichtherle, 1980
Foto: G. Schöbel | APM
6
Niels Bleicher, 2006
Foto: N. Bleicher | APM