Vitrine 6

Fälscher und Beutejäger – Alles echt?

Mit zunehmender Pfahlbaubegeisterung stieg die Nachfrage an Originalfunden für Museen, Privatsammlungen, den Kunsthandel aber auch für Lehrmittelkollektionen an Universitäten und Schulen. Ausstellungshäuser waren auf der Suche nach möglichst aussagekräftigen Fundsets, tauschten Einzelstücke deshalb auch untereinander aus. Das „Pfahlbaufischen“ vom Boot aus wurde für manche zum regelmäßigen und einträglichen Nebenerwerb. Unteruhldingen galt als besonders „fündig“ und lud zur Beutejagd geradezu ein. So wies die Stadt Meersburg 1865 die Nachbargemeinde Unteruhldingen darauf hin, dass Fischer aus der Schweiz an der Halde nach Funden baggerten und so die Fischgründe zerstörten. Doch bald brachte das Durchwühlen der Fundstellen nicht mehr genügend Ausbeute. Die ersten Fälschungen tauchten auf. Aus einfachen Knochenstücken entstanden Ahlen, Meißel und Schmucknadeln. Kupferblech – mit der Blechschere geschnitten – diente zur Herstellung von Anhängern und Amuletten. Die „Fundorte“ Bodman und Wangen waren für Fälschungen bekannt. Antiquitätenhändler von der Insel Reichenau, aus dem schweizerischen Steckborn oder aus Überlingen wurden bei den Behörden angezeigt. Die großen Museen, wie das British Museum in London, oder Pfahlbauexperten aus der Schweiz warnten vor dem Ankauf aus unseriösen Quellen und von bestimmten Sammlern. Sie forderten genaue Prüfungen und Echtheitszertifikate. Auf Betreiben der Heimat- und Geschichtsvereine erließen die Regierungen Ausgrabungsverbote (Thurgau 1861, Bern 1873, Baden 1905).

An das Bürgermeisteramt Unteruhldingen

Wir ersuchen Sie um bald gefällige Mittheilung, ob auf der Seehalde längs der dortigen Gemarkung von Fremden namentlich von Schweizern zum Behufe der Auffindung oder Ausgrabung von Pfahlbauten Baggerungen vorgenommen worden sind und ob die Durchführung dieser Baggerungen nach der Ansicht der dortigen Fischer dem Fischbestand namentlich dessen Fortpflanzung nachtheilig ist. Im letzteren Falle beabsichtigen wir ein polizeiliches Verbot der Baggerungen zu erwirken, wie ein solches im Bezirke Constanz bereits ergangen ist.“

1

„Wilde Ausgrabungen“ der Gebrüder Knecht, Bodman um 1905

Foto: APM

2

Brief der Großherzoglichen Domänenverwaltung Meersburg an das Bürgermeisteramt Unteruhldingen | 1865 | Gemeindearchiv Unteruhldingen

3

„Flintjack“ Edward Simpson, britischer Geologe und Fälscher, demonstriert das Schlagen von Feuersteinen (Flintstones) vor Archäologen, um 1860

Foto: Whitby Museum (United Kingdom)

4

Präsentationstafel Pfahlbaufunde aus dem Pfahlbau Hagnau-Burg | Bronze auf Karton | 960 v. Chr. | RGM

5

Lendenwirbelfragment mit Ritzdarstellung eines Hirsches, großes Rind, Auerochse, Elch oder Hirsch | Alter unbekannt | Schreckensee | Slg. R. Wicker, APM

Original oder Fälschung?

Das Licht zeigt Ihnen die Originalfunde

6

Nadel | Bronze | 1700 v. Chr. | Peschiera (Italien) | RGM

7-8

Nadeln und Anhänger | Kupferblech | Bodman-Schachen | RGM

9-12

Beile/Meißel | Sepentinit | Maurach, Sipplingen-Osthafen | APM

13-14

Beile/Meißel | Serpentinit, Nephrit | 3700 v. Chr. | Unteruhldingen, Sipplingen-Osthafen | APM

15

Ahle | Knochen | Untersee | APM

16

Ahle | Knochen | 3700 v. Chr. | Unteruhldingen | APM

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Pfahlbaumuseum Unteruhldingen Bodensee
Freilichtmuseum und Forschungsinstitut
Strandpromenade 6 · 88690 Uhldingen-Mühlhofen
Text: Pfahlbaumuseum/G. Schöbel
Übersetzung: Pfahlbaumuseum/P. Walter

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