Kulthaus
Der Wagen als Gefährt der Gestirne

Sonne und Mond, dazu braucht es keine Wissenschaft, ziehen seit Anbeginn der Welt gravitätisch ihre Bahnen am Firmament. Die Beobachtung des Himmels gibt es preis: Am Tag die Sonne, in der Nacht der Mond. Nur wie bewegen sie sich fort? Wo versteckt sich die Sonne in der Nacht?

Seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. taucht der Wagen als Gefährt für Himmelsgestirne in Religion und Kult auf. Auch Schiffe und Darstellungen stilisierter Menschen finden sich in der Bildsprache, nicht nur als Bronzeobjekte, auch auf Felsritzzeichnungen und als Tonmodelle. Oft werden die Fahrzeuge von Pferden, Wasservögeln, Stieren oder Hirschen begleitet oder gezogen.

Kultische Fahrzeuge hielten nicht nur die Gestirne in Bewegung. Auch der Mensch reiste am Ende seines Lebens mit einem Wagen in die jenseitige Welt – zumindest wichtige Persönlichkeiten. Ihnen errichteten die Hinterbliebenen beeindruckende Hügelgräber und betteten sie darin auf prachtvolle Kultwagen. Die einfache Bevölkerung dagegen wurde in der Spätbronzezeit mit zahlreichen Beigaben verbrannt.

Der Kultwagen von Trundholm zeigt die Sonne als Scheibe: Auf einer Seite goldglänzend, auf der anderen dunkel. Fährt der Wagen nach rechts, ist die goldene Seite zu sehen, strahlend erhellt die Sonne den Tag. Fährt der Wagen in die entgegengesetzte Richtung, ist die Scheibe dunkel, die Nacht bricht an.

Was macht die Ente am Wagen?

Kleine Figuren von Pferden und Menschen mit und ohne Kriegsausrüstung sind oft fest an Kultwagen aus der Bronzezeit montiert. Genauso tauchen sie eingeritzt auf Felsen auf. Aber der Star der Parade war ein Tier, mit dem du sicher nicht gerechnet hast: die Ente. Enten wurden damals besonders verehrt. Warum? Weil dieses Tier mehr kann als alle anderen. Es kann im Wasser schwimmen, in der Luft fliegen und an Land gehen. Na gut, eher watscheln. Enten finden sich auf Brustpanzern, Beinschienen, Kesseln sowie kleinen und großen Wagen. Wahrscheinlich sollten sie Glück bringen und die Menschen beschützen. Auch davor, dass das Rad von ihrem Wagen rutschte: Es gab nämlich auch Achsnägel in der Form von Enten. Findest du den Entennagel?

© Copyright 2026
Pfahlbaumuseum Unteruhldingen Bodensee
Freilichtmuseum und Forschungsinstitut
Strandpromenade 6 · 88690 Uhldingen-Mühlhofen
Text: Pfahlbaumuseum/G. Schöbel
Übersetzung: Pfahlbaumuseum/P. Walter

Impressum | Datenschutz