Die „Wasserburg Buchau“
Ein Dorf in Blockbauweise
Die sogenannte „Wasserburg Buchau“ liegt etwa 65 Kilometer nordöstlich von Unteruhldingen am Federsee. Archäologische Untersuchungen der Jahre 1921 bis 1937 brachten dort 34 Blockhäuser, sechs Flechtwandhütten und neun Gehöfte aus dem 11. bis 9. Jh. v. Chr. zutage. Eine Palisade aus 15.000 Kiefernstämmen hatte die Siedlung umschlossen. Der hervorragende Erhaltungszustand der Funde ermöglichte eine breit angelegte Untersuchung mit naturwissenschaftlichen Methoden wie der Pollenanalyse, der Altersbestimmung anhand der Jahrringe der verbauten Hölzer und der Luftbildarchäologie.
Ein interdisziplinäres Team aus Archäologen, Modellschreinern und Zimmerleuten fertigte zunächst kleine Modelle der Dörfer, die beim Pfahlbauverein Unteruhldingen auf großes Interesse stießen – und eine Idee reifen ließen: Warum dem Steinzeitdorf am Bodensee nicht eine bronzezeitliche Anlage hinzufügen? So entstand auf Grundlage der Buchauer Grabungsergebnisse die wissenschaftlich fundierte Rekonstruktion der Häuser im Maßstab 1:1 auf einer bereits 1923 errichteten Plattform im Bodensee. Die damalige Diskussion darüber, ob sich Pfahlbauten an Land, im Wasser oder auf Inseln, wie im Federseemoor, befanden, ist heute längst beigelegt: Alle drei Bauweisen sind nachgewiesen.
Entgegen der ursprünglichen Annahme, die „Wasserburg Buchau“ sei in nur zwei Siedlungsphasen entstanden, ergaben erneute Untersuchungen mit Hilfe der Altersbestimmung der Jahrringchronologie fünf Bauabschnitte über den Zeitraum von 1058 bis 860 v. Chr.: Nach der Errichtung der ersten Häuser erhielt die Siedlung 1000 v. Chr. eine Ringpalisade mit zwei Torausgängen. Um 950 und um 860 v. Chr. musste sie
zweimal zusätzlich gegen Hochwasser geschützt werden.
Alle Sicherungsmaßnahmen konnten jedoch nicht verhindern, dass Buchau um 850 v. Chr. – ebenso wie das Dorf Unteruhldingen-Stollenwiesen und viele andere in Deutschland und der Schweiz – aufgrund dauerhaft gestiegener Seespiegelstände in einer Art Sintflut unterging.