Vitrine 8
Ein schwäbisches Pompeji – Alles erforscht?
Über 30 000 Funde waren zum Ende des 19. Jahrhunderts am Bodensee und in Oberschwaben geborgen worden. Gesichert und dokumentiert lagen sie in Museen und Archiven. Zahlreiche Publikationen hatten die wissenschaftlichen Untersuchungen laufend begleitet und einem akademischen wie interessierten Publikum zugänglich gemacht. Die Presse betitelte das Steinzeitdorf Schussenried-Riedschachen schon früh als das „Schwäbische Pompeji“ (1871), das Bronzezeitdorf Buchau als das „Schwäbische Troja“ (1927). Dieser Vergleich mit prominenten Forschungsprojekten veranschaulichte die Qualität der hiesigen Funde auch für die Allgemeinheit. Ziel erreicht, könnte man also sagen, Forschungsarbeit weitestgehend erledigt. Oder etwa nicht?
Nein, ganz und gar nicht: Die frühen Grabungskampagnen in Riedschachen und Buchau waren zusammen mit anderen (Konstanz-Rauenegg 1871, Bodman 1898/99, Sipplingen 1929/30) sicher Meilensteine in der Erforschung von Pfahlbausiedlungen in Südwestdeutschland. Sie erbrachten die ersten Planzeichnungen und Schichtprofile. Doch neue technische Entwicklungen liefern neue Forschungsansätze. Methoden und Möglichkeiten für archäologische Ausgrabungen und deren Dokumentation werden komplexer. Die stärkere Einbeziehung der Naturwissenschaften erlaubt vielfältige Untersuchungen der Botanik, der Zoologie, der Moorgeologie sowie gezielte chemische Analysen und die Altersbestimmung von Hölzern anhand der Jahrringe. Heute sind etwa 500 000 Funde aus der Region bekannt. Es gibt 120 erfasste Dorfanlagen am Bodensee und über 1 000 im gesamten Verbreitungsgebiet rund um die Alpen. Unteruhldingen wird als das „Badische Atlantis“ (2022) bezeichnet. Und ein Ende der Arbeiten ist so schnell noch nicht in Sicht.
Bad Schussenried | Wochenblatt Waldsee, 1875
„… Pompeji (war) von einer Aschendecke beschützt, die Pfahldörfer unter Wasser gesetzt oder vom Torfe überwachsen.“
Wochenblatt, zugleich Amts- und lntelligenzblatt für den Oberamtsbezirk Waldsee, 29. Juli 1875 | APM
Unteruhldingen | Seeferienmagazin, 2022
„Heute wissen wir natürlich, dass es sich dabei um Pfahlstumpen und die Überreste einer untergegangenen stein- bzw. bronzezeitlichen Kultur handelt – also quasi um ein „Badisches Atlantis“.“
Uhldingen-Mühlhofen | Seeferienmagazin | 2022 | APM
Bad Buchau | Tübinger Chronik, 1928
„… eine Inselsiedlung, welche in ihrer Bedeutung mit der gleichzeitig bronzezeitlichen Besiedlung von Troja II, dem von Homer besungenen Troja wetteifern kann, ja sogar durch die ungeheure Zahl ihrer Kleinfunde demselben überlegen ist …“
Tübinger Chronik No. 254, 29. Oktober, 1928 | Archive APM
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Krüge und verzierte Scherben | Keramik | 3900 v. Chr. Bad Schussenried | SMBPK
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Ausgrabungen in Schussenried, Federseemoor, 1920.
Foto: H. Reinerth | APM
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Rekonstruktion der Schussenried-Häuser im Federseemoor.
Illustration: W. Planck | APM
4
Kleinfunde | Bronze | 950 v. Chr. Bad-Buchau-Wasserburg | APM
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Ausgrabungen an der Palisade der Wasserburg Buchau (1927/28) | APM
6
Rekonstruktionszeichnung der Wasserburg Buchau
llustration: W. Petersen | APM
Die Sage von der versunkenen Stadt im Federsee
„Wo jetzt der Federsee liegt, war vor alten Zeiten eine Stadt. Ob des gottlosen Lebenswandels der Einwohner ging sie unter. Bei hellem Wetter und niederem Wasserstand sieht man die Thurmspitze der Kirche aus dem Wasser ragen. Andere wollten auch läuten gehört haben. In diesem See ist eine Insel, mit der man die Leute aufzieht; man sagt dann: »das und das ist auf der Insel Bibbî im Federasai geschehen, und die sieht der zehnte Mann nicht!« Drauf soll’s lustig hergehen, wie vordem in der untergegangenen Stadt.“
Quelle: A. Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 231.
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Beil | Bronze | 900 v. Chr. Unteruhldingen-Stollenwiesen | APM
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Luftbild des Pfahlfeldes Unteruhldingen-Stollenwiesen
Foto: O. Braasch | LAD
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Der Untergang der Pfahlbauten, 850 v. Chr.
Illustration: T. Ungemach, K. Maibaum | Stern